Schweizreise 2011

Pressestimme

Mit Rucksack und Kuschelteddy ab in die Schweiz,

Annahütte

Der Ferienzug in die Schweiz hat am Mittwoch sein Ziel erreicht. Die 42 Mädchen und Jungen aus Annahütte, Lauchhammer, Großräschen, Meuro, Klettwitz, Schwarzbach, Senftenberg und Schwarzheide sind in bester Ferienlaune bei ihren Gasteltern angekommen. Jüngster Passagier ist der fünfjährige Leon aus Annahütte. Der Junge leidet an Asthma und soll sich an der frischen Bergluft erholen.

Abschied am Senftenberger Busbahnhof. Die Kinder sind am Mittwoch in der Schweiz angekommen.

Foto: Steffen Rasche/str1

Leon tippelt aufgeregt an der Hand seine Mutter Melanie Schneider hin und her. An seinem Rucksack mit Bob, dem Baumeister, baumelt ein himmelblauer Anhänger mit seinem Namen, dem Zielbahnhof und der Adresse der Schweizer Gasteltern. „Damit er uns nicht verloren geht“, prüft Betreuerin Elke Ermler auch den Schlüsselanhänger, der um seinen Hals baumelt. Leon gehört zu den Kindern, die erstmals mit in die Schweiz fahren. Gleich neben ihm im Bus, der die Kinder bis zum Bahnhof nach Cottbus fährt, sitzt sein Bruder Lucas. Mutter Melanie Schneider schickt ihre Zwei mit einem guten Gefühl los, weil sie früher selbst mit dem Verein „Umwelt für Kinder“ viele Jahre lang in die Schweiz gereist ist. Der Kontakt zu ihrer Gastfamilie ist nie abgerissen. Sie hat den kleinen Leon in diesem Sommer nach Sankt Gallen eingeladen. Zu den Passagieren gehört auch die sechsjährige Cassandra, die im August in die Grundschule Annahütte eingeschult wird. Sie schaut immer wieder, ob der Bus endlich um die Kurve biegt. Cassandra freut sich auf die vielen Tiere auf dem Hof ihrer Gasteltern in Bern. „Vielleicht gibt es dort ja sogar eine lila Kuh?“, fragt sie schüchtern.

Einige Kinder, die im Ferienzug sitzen, sind krank. Sie haben, wie der kleine Leon, Asthma, Bronchitis oder Neurodermitis – gesundheitliche Schädigungen, die für Kinder im umweltbelasteten Annahütte mit der einstigen Bleiglasproduktion typisch sind. Die Eltern sind arbeitslos, leben von Hartz IV oder von einer kleinen Rente. Einige Muttis sind alleinerziehend. Einen vierwöchigen Auslandsurlaub können sie allesamt ihren Sprösslingen nicht bieten.

Damit die Kinder sicher bei ihren Schweizer Gastfamilien ankommen, werden sie von sieben Helfern, die für den Verein aktiv sind, begleitet. Elke Ermler aus Klettwitz hat dafür bei ihrem Arbeitgeber medimax extra Urlaub eingereicht. Mit Rentnerin Andrea Mies kontrolliert sie an der Haltestelle am Markt in Annahütte ein letztes Mal, ob alle angemeldeten Kinder eingetrudelt sind und jeder ein Lunchpaket dabei hat. Beide wachen darüber, dass jedes Kind sein Schlüsselband um den Hals trägt.

Dann biegt der blaue „Niederlausitzer“ endlich in die Bustasche. Busfahrer Karsten Menzel hilft, Koffer und Reisetaschen zu verstauen. Die Kinder winken ihren Eltern ein letztes Mal zu, dann beginnt ihre große Ferienfahrt ins Glück. Der Bus füllt sich schnell. In Klettwitz, Schipkau, Senftenberg und Sedlitz steigen weitere Kinder ein. Die Aufregung bei kleinen und großen Passagieren wächst. Das Geschnatter im Bus stört Busfahrer Karsten Menzel nicht. Er fährt die Schweizer Ferienkinder schon seit vielen Jahren. Pünktlich um 18.11 Uhr steigen sie in Cottbus in den Zug.

 

Zum Thema:
Der Verein „Aktion Umwelt für Kinder“ ist 1992 gegründet worden. Schirmherrin ist Ingrid Stolpe. Die Sommeraufenthalte in der Schweiz für benachteiligte Kinder werden gemeinsam mit der Schweizer Hilfsorganisation Kovive organisiert. Mehr als 1200 Mädchen und Jungen aus der Region gingen bisher auf Reisen. Das Schweizer Kinderhilfswerk setzt sich seit 1954 europaweit für sozial benachteiligte Familien ein.

 Von Andrea Budich